Wegwerfbecher, Frauenrechte und Kinderarbeit: Über die Vorbildfunktion von Influencern

Mittwoch, 05.06.2019

Ob Mega-, Makro-, Mikro- oder Nano-Influencer – alle Meinungsführer haben stets etwas Entscheidendes gemeinsam. Was sie erst zu Influencern mit Bedeutung für ihre Zielgruppe hat werden lassen, ist die Audience selbst. Das Vertrauen in die Meinungsführer wächst durch das miterlebte Verhalten der Influencer. Follower und Abonnenten erkennen sich in den Personen wieder oder streben nach dem was sie besitzen, können oder promoten. Das gilt für alle Branchen und Nischen, für alle Länder und Sprachen.

Die Glaubwürdigkeit eines Influencers ist das Zünglein an der Waage, denn ganz schnell kann dem Vorbild auf Social Media auch wieder entfolgt werden oder es braut sich sogar ein Shitstorm zusammen. Die Vorbildfunktion der Influencer ist unbestritten – die kuratieren Accounts und die darauf zu sehenden Kooperationen zwischen den Meinungsführern und Marken beeinflussen das Kaufverhalten des Publikums.

In welcher Form sollten Influencer also ihre Vorbildfunktion nutzen und welche Fails vermeiden?

Wie sooft im Leben gibt es auch auf Social Media zwei Seiten der Medaille – und dieser Artikel beginnt mit den „good news“, um dann die Negativbeispiele zu durchleuchten.

Mega-Influencer kämpft für Frauenrechte: Fußballer Mo Salah
Kaffeebecher und Jetsetting als Lebensart der Influencer
Um die Welt mit Pamela Reif – was sagt die Klimabilanz?
Wegwerfbecher oder nicht? Auch Micro-Influencer stehen im Rampenlicht
Make-Up-Paletten und Kinderarbeit: James Charles und Co. In Erklärungsnot

Mega-Influencer kämpft für Frauenrechte: Fußballer Mo Salah

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@ukesquire 🎄 😃

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Knapp 27 Millionen Menschen folgen dem Instagram-Account @mosalah. Wer ihn noch nicht kennen sollte: Fußball-Superstar Mo Salah spielt für den überaus erfolgreichen englischen Verein FC Liverpool. Liverpool ist diese Saison einer der vier besten Clubs und konnte bei der Champions League sogar den Titel in diesem Jahr holen. Mit dem talentierten Salah sind Tore beinahe garantiert, und nun möchte er seinen Einfluss als Meinungsführer nutzen, um Gutes zu tun. Salah ist erst 26, aber in seiner Heimat Ägypten und der gesamten Region des Nahen Ostens ist er ein Held.

Dass Mo Salah eine ikonenhafte Wirkung hat, attestiert ihm nun auch das TIME Magazine. Der Fußball-Influencer wurde jüngst auf die Liste der „100 einflussreichsten Menschen der Welt“ gesetzt. Im Interview mit TIME betont Salah die enorme Wichtigkeit der Gleichberechtigung der Geschlechter. Die Art, wie Frauen in seiner Kultur behandelt werden, müsse sich ändern. Und zwar nicht auf freiwilliger Basis, es sei eine Bedingung für die Zukunft. Er selbst unterstütze Frauen heutzutage viel mehr, als er das früher getan habe, weil er erleben muss, dass vor allem muslimischen Frauen im Leben viel mehr zusteht als sie bekommen. Mo Salah ist auch Vater einer fünfjährigen Tochter, aber das sei selbstverständlich nicht sein einziger Beweggrund, sich für die Gleichberechtigung einzusetzen.

Kaffeebecher und Jetsetting als Lebensart der Influencer

Dass der ökologischer Fußabdruck heutzutage mehr zählt als noch vor ein paar Jahren, ist klar: Klimawandel, die Verschmutzung der Meere und Müllberge aus Plastik allerorten. Wer sich mit grünem Gewissen durch die Welt bewegt, achtet auf Nachhaltigkeit und eben diesen Fußabdruck, den wir als Menschen auf der Welt hinterlassen. Auch Influencer jeder Größe müssen sich entscheiden, welche Haltung sie zu diesen Themen haben und wie sie in der Öffentlichkeit damit umgehen. Denn der Audience bleibt nichts verborgen.

Um die Welt mit Pamela Reif – was sagt die Klimabilanz?

Die bekannte Sport- und Lifestyle-Influencerin Pamela Reif ist mit ihren 22 Jahren schon auch manchen Menschen ein Begriff, obwohl diese ihren Account auf Instagram noch nie gesehen haben und nicht zu Reifs über 4 Millionen Followern gehören. Reif befand sich nämlich schon mehrmals im Rechtsstreit mit dem Verband Sozialer Wettbewerb und deshalb stand ihr Name schon in vielen Zeitungen und Newsportalen.

Durch ihr Instagram-Profil vermittelt sie, wie schön das Leben sein kann, wenn man smart, vermögend und erfolgreich ist. Ihrem eigens kreierten Fitness-Programm verdankt sie ihre trainierte Figur und gute Ernährung schadet dabei natürlich auch nicht. In einem Posting verkündet sie ihre Motivation hinter dem Account und ihrer Berufung:

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.. when posting pretty pictures in cute dresses stopped being „enough“. Well, it’s always „enough“ if it makes you happy. I actually dislike the movement of everybody saying that Instagram is sooo superficial and there’s no meaning behind it… IT IS WHATEVER YOU MAKE IT 🤷🏼‍♀️ I like smiling at pretty places with cute clothing & taking pictures of it. – ➡️ And at the same time I have such a strong feeling of sharing value and knowledge. I am sure that only a part of my following notices & appreciates that – but that’s fineeee. By posting about fitness, nutrition, trying to build awareness for sustainability, launching healthy food products, trying to share knowledge with almost all my collaborations & of course by writing a cookbook I am giving my life more layers… At least that’s how it feels to me. And especially by doing it MYSELF. Sometimes I think: gosh everything is moving soooo slow because I am literally sitting here for 4 hours editing a freaking food video for my second channel. And then I answer my emails & go through your messages. Until I notice: f** I didnt upload anything today haha 💀😂 But on the other hand: if I’ve done it myself I know that success or failure will always be down to my own work. Nobody else to blame. SO BARE WITH ME if some things take longer in my case (my cookbook took a year lol. And the English version takes another couple of months) – but I’m like a one woman show, strongly supported by my brother, mom, dad & daniela ♥️ #keepitinthefamily #slowbutsteady

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Die Oberflächlichkeit und Fokussierung aufs äußere nervt Reif ein wenig – sie sei mehr als nur eine hübsche Frau in einem schönen Kleid, lächelnd an einem traumhaften Ort auf der Welt.

„Werte und Wissen“ möchte Pamela Reif vermitteln, auch wenn das nur ein kleiner Teil ihrer Audience zu schätzen wisse. Über „Fitness und Ernährung aufzuklären“, gesunde Produkte zu entwickeln und dabei durch ihre gewählten Marken-Kooperationen „noch eine gewisse Message zu transportieren“ – das sei ihr Anliegen mit dem Instagram-Account bzw. ihrer gesamten Arbeit. (Außerdem arbeitet Reif gerade auch an einem Kochbuch.) In diesem Statement, übrigens gepostet auf Ibiza, findet sich allerdings auch die Aussage, sie wolle außerdem „über Nachhaltigkeit aufklären“.

Doch wie ist das nochmal mit den traumhaften Destinationen, von denen aus Reif ständig postet?

Auf den Malediven:

In Los Angeles, USA:

Auf Bali:

In Miami, USA:

Ein solches Jetset-Leben ist sicherlich keine nachhaltige Verhaltensweise. Hat aber kaum jemand gemerkt, unter dem Ibiza-Bild loben die Kommentare Pamelas Vorbildfunktion für ein inspiriertes und motiviertes Leben und dass man bei manchen der gezeigten Orte „neidisch werden“ könne.

Pamela ist schlau genug, sich nicht im Flieger oder in der Nähe von Flugzeugen zu zeigen, denn immerhin sind Lang- und Kurzstrecken-Flüge verantwortlich für eine immense Klima-Belastung. Erst kürzlich hatte der deutsche Moderator Kai Pflaume empörtes Medien-Echo kassiert, weil er sein Jetsetting regelrecht zelebriert:

Fliegen sei so wichtig für Pflaume wie gutes Essen – die Ökologie bleibt dabei auf der Strecke. Aber: Bei Pamela gibt es übrigens nur Zero Waste Smoothies aus Gläsern und in-house.

Wegwerfbecher oder nicht? Auch Micro-Influencer stehen im Rampenlicht

Jedoch nicht so beim folgenden Herren (und zahlreichen anderen Micro-Influencern). Robin Umbach ist 22, laut Steckbrief Influencer und Content Creator und kommt aus Kassel. Knapp über 30.000 Follower folgen dem Kanal von Umbach, der sich mit „Fashion, Lifestyle, Travel, Fitness & Food“ beschäftigt. Umbach erklärt sich zwar an keiner Stelle interessiert an Nachhaltigkeit, aber auch Details sagen viel über die Haltung eines Influencers aus.

Jedoch ist es inzwischen mehr und mehr verpönt in Deutschland, Kaffee in den to-go-Bechern zu konsumieren, weil diese unsagbar viel Müll produzieren. Laut Deutscher Umwelthilfe werden stündlich 320.000 Becher gekauft und direkt weg geworfen, pro Jahr sind es 3 Milliarden Stück. Umbach zeigt sich aber immer wieder mit Bechern dieser Art und setzt auch gerne mal den Hashtag #starbucksdeutschland:

Was seine Glaubwürdigkeit angeht, gibt es aber noch einen Fail, den sich Umbach geleistet hat. Auf seiner Website verkündet der Influencer in seiner Vita von 2018:

„Ich rauche nicht, trinke weder Kaffee, Tee oder Alkohol und für einige kaum vorstellbar, aber ich esse keinerlei Süßigkeiten.“

Also: kein Kaffee!

Diese Caption lautet allerdings „ALWAYS TIME FOR COFFEE“, also doch immer Zeit für Kaffee?! Falls sich die Gewohnheiten von Umbach geändert haben, kann er ja mal auch seine öffentliche Vita ändern. Beim Thema Vorbild und Authentizität hat Umbach hier zweimal ein wenig daneben gegriffen. Ein non-verbales Statement gegen die Wegwerfgesellschaft kommt immer gut an, beispielsweise mit einem Mehrfachbecher in der Hand. Ob es die Audience stört, ist entscheidend.

Make-Up-Paletten und Kinderarbeit: James Charles und Co. In Erklärungsnot

Mehrere Dokumentationen, unter anderem auch von Refinery29, wollen auf die katastrophalen Bedingungen aufmerksam machen, unter denen Kinder in Indien leiden müssen, nur damit Influencer mit schimmerndem Make-Up ihre Follower für bestimmte Marken oder eigene Produkte begeistern können. Es handelt sich um den Inhaltsstoff CI 77019, genannt Mica, der in so gut wie jedem Lidschatten, Lippenstift oder Highlighter verarbeitet wird. Dieser Inhaltsstoff wird in unterschiedlichen Orten der Welt und mit verschiedenen Arbeitsumständen abgebaut. Das weltweit größte Vorkommen von Glimmerstoffen wie Mica werden in Ostindien vermutet. Ein Großteil des Abbaus erfolgt in Minen, zu 90 Prozent illegal und durch Kinderarbeit. Die Förderung von Mica ist reine Handarbeit.

Es ist bekannt, dass in Indien Kinderarbeit zum Abbau eingesetzt wird. Das kristalline Mineral wird laut Terre des Hommes Switzerland durch circa 22.000 Kinder beschafft. Sie arbeiten dazu in Minen und sind großer Gefahr ausgesetzt. Allein in einem Zeitraum von zwei Monaten kamen sieben Kinder ums Leben, weil Teile der Mine einstürzten (lt. Thomson Reuters Foundation). Die arbeitenden Kinder erleiden Verletzungen, Verstümmelungen oder leiden an Atembeschwerden, weil sie Mica einatmen müssen.

Die Kosmetik-Industrie weiß von diesen Problemen und große Konzerne wie Estee Lauder geben an, das Problem anzugehen.  Denn kaum jemand kann transparente Lieferwege für Mica garantieren, weshalb nachhaltige Beauty-Unternehmen wie Lush bereits seit Jahren sicherheitshalber auf synthetisches Mica zurück greifen.

Bekannte Influencer versuchen, diese Problematik unter den Tisch zu kehren, indem sie es einfach nicht ansprechen, sondern weiter ihre Produkte vermarkten. Einer dieser großen Namen ist der Make-Up-Artist James Charles. 15,3 Millionen Follower folgen ihm auf Instagram und er verkehrt auch mit Mega-Influencerinnen wie Kylie Jenner:

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bare faced sisters 👼🏻 video coming soon

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James Charles kooperiert mit namhaften Brands und mit der Marke Morphe zusammen launchte er seine eigene Lidschatten-Palette. Influencer meets Make-Up-Brand – ein Vorgehen, das in der Beauty-Welt sehr üblich ist, denn solche Paletten verkaufen sich überdurchschnittlich gut. Die Audience bekommt mittels Tutorials einen Einblick, welche verschiedenen Looks und Kombinationen der Farben möglich sind. Um das Produkt zu pushen, nahm Charles auch Videos in seinen Stories auf und setzt diese als einziges Highlight in seinem Account:

https://www.instagram.com/stories/highlights/17985949537075536/?hl=de

Hier demonstriert Charles den Schimmer seiner Lidschatten-Nuancen:

https://www.instagram.com/stories/highlights/17985949537075536/?hl=de

Für diesen Schimmer ist Mica verantwortlich. Es ist der erste Inhaltsstoff den Morphe auf der Website angibt. Aber weder bei Charles noch bei Morphe gibt es ein Statement zur Herkunft. Der talentierte Make-Up-Artist präsentiert stattdessen wahre Kunstwerke, die mit diesen Farben möglich sind und regt die Follower damit zum Kauf an:

Schweigen zu Vorwürfen oder das Abstreiten von dubiosen Bezugsquellen – das ist die bisherige Strategie der meisten Unternehmen und auch Influencern. Meist ist die Audience nicht aufgeklärt genug, um kritisch zu sein und so bleibt die Vorbildfunktion scheinbar unbeschädigt. Fragt sich nur, für wie lange.

Petition von Terre des Hommes gegen die Kinderarbeit beim Abbau von Mica

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